Nazis blockieren – In Bad Nenndorf und überall!

Seit 2006 ziehen jedes Jahr hunderte Neonazis durch die niedersächsische Kleinstadt Bad Nenndorf, um die deutsche Geschichte zu verdrehen. Ihr Ziel ist das Wincklerbad, ein ehemaliges britisches Internierungslager, in welchem es zu vereinzelten Fällen von Missbrauch kam. Die Neonazis instrumentalisieren diese Vorfälle, um aus nationalsozialistischen Tätern Opfer zu machen und den Holocaust zu relativieren.

Benjamin Köster, Landesvorsitzender
Knud Hendricks, stellv. Vorsitzender
Arne Zillmer, stellv. Vorsitzender

In diesem Jahr konnte es dank friedlicher Sitzblockaden, zu denen auch wir Jusos aufgerufen hatten, erstmals verhindert werden, dass die Nazis vor das Wincklerbad ziehen.

Gemeinsam mit vielen anderen engagierten Menschen trafen wir Jusos uns am vergangenen Samstag um 9 Uhr vor dem Hauptbahnhof in Hannover, um von da aus zusammen nach Bad Nenndorf zu fahren. Kaum waren wir wieder aus der brechend vollen S-Bahn raus, wurden wir auch schon von den Einsatzkräften der Polizei in Empfang genommen. Da es nicht möglich war, zur Route der Nazis zu gelangen, schlossen wir uns der Demonstration von „Bad Nenndorf ist bunt“ an, um vor das Wincklerbad zu ziehen und an der dortigen Abschlusskundgebung teilzunehmen. Dort setzte sich ein Großteil der Anwesenden hin, sowohl jugendliche AntifaschistInnen als auch viele Bad Nenndorfer BürgerInnen, sodass eine Sitzblockade mit mehreren hundert TeilnehmerInnen entstand. Hinzu kamen weitere Aktionen des zivilen Ungehorsams im ganzen Ort, beispielsweise Betonpyramiden und angekettete Menschen, wodurch sich der Beginn der Nazidemonstration bereits sehr stark verzögerte.

Währenddessen blockierten wir friedlich und massenhaft den Platz vor dem Wincklerbad. Zu keiner Zeit ging eine Eskalation von den Blockierenden aus, im Gegenteil, es herrschte Partystimmung und alle waren gut gelaunt. Viele beteiligten sich an lustigen Bewegungsspielen, welche vom lokalen Sportverein initiiert wurden oder sonnten sich einfach nur. Trotz mehrmaliger Aufforderung der Polizei blieben fast alle sitzen und blockierten weiter. Gegen 17.15 Uhr begann die Polizei dann mit der Räumung der Blockade, um den Platz für die Nazis frei zu machen. Dieses Vorgehen war mehr als unnötig, es war von vorneherein klar ersichtlich, dass es bei einer so großen Sitzblockade nicht rechtzeitig gelingen würde, diese zu räumen. Insofern ist es unverständlich, warum die Polizei teilweise sehr grob gegen die Blockierenden vorging und ankündigte, massenweise Strafverfahren einzuleiten. Jedoch müssen wir, bei aller Kritik, das sonstige Verhalten der Polizei durchaus auch lobend erwähnen. Die Einsatzkräfte waren überwiegend ruhig, freundlich und verteilten sogar Wasser, wodurch sie ebenfalls zu einer Deeskalation der Lage beitrugen. Zwar gibt es gerade in den Bereichen Ausbildung und Kennzeichnungspflicht noch viel zu tun, aber der diesjährige Polizeieinsatz in Bad Nenndorf zeigt einen deutlich anderen Politikstil als bisher. Ebenfalls sehr erfreulich ist, dass unser Innenminister Boris Pistorius selbst mit vor Ort war, ebenso wie zahlreiche MdL und MdB von SPD, Grünen und Linkspartei.

Das Fazit des Tages ist ganz klar positiv: Erneut konnten friedliche Sitzblockaden die Nazis und ihren Aufmarsch sehr stark einschränken. Ihnen war es so erstmals auch nicht möglich, ihre menschenverachtende Propaganda vor dem Wincklerbad von sich zu geben, was ihren „Trauermarsch“ weitestgehend sinnlos macht. Besonders erfreulich ist, dass sich endlich auch sehr viele Bad Nenndorfer BürgerInnen den Nazis in den Weg setzten und mit der Blockade-Initiative zusammen blockierten. Dies hat letzten Endes zum Erfolg geführt und wird dem Naziaufmarsch schon bald sein endgültiges Ende bereiten. Nazis lassen sich von netten Reden und mit Kreide bemalten Straßen allein eben nicht aufhalten. Sitzblockaden sind daher ein absolut legitimes Mittel, alte und neue Nazis, RassistInnen und HolocaustleugnerInnen aufzuhalten, das hat sich dieses Jahr erneut gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft noch viel mehr Menschen zu uns auf die Straße setzen, so wie es all die mutigen Leute in Bad Nenndorf getan haben.

Sollten die Nazis auch 2014 das masochistische Verlangen spüren, sich total zu blamieren, gilt auch im nächsten Jahr: We love 2 block! Naziaufmärsche blockieren!

Benjamin Köster, Landesvorsitzender

Knud Hendricks, stellv. Vorsitzender

Arne Zillmer, stellv. Vorsitzender