Protestbrief an die Evangelische Akademie Loccum

Am 18. April lädt die Evangelische Akademie Loccum zu einer Veranstaltung ein, die sich mit der Zivilgesellschaft im Iran befassen soll. Als Gast eingeladen ist auch der iranische Botschafter in Deutschland, Ali Reza Sheikh Attar. Wir möchten mit diesem Protestbrief unseren Unmut darüber ausdrücken, dass dem Vertreter des Unrechtsregimes so eine Bühne geboten wird:

 Sehr geehrter Herr Dr. habil. Holz,

sehr geehrter Herr Dr. Schaper,

sehr geehrte Mitglieder des Konvents der Evangelischen Akademie Loccum,

wir möchten Sie hiermit dringlichst darum bitten, den iranischen Botschafter Ali Reza Sheikh Attar von Ihrer Veranstaltung zur iranischen Zivilgesellschaft wieder auszuladen. Es ist für uns absolut unverständlich, warum Sie mit dem Vertreter eines mörderischen Regimes diskutieren wollen, welches eben jene Zivilgesellschaft immer wieder verfolgen und unterdrücken lässt.

Attar, der höchste Vertreter des Iran in Deutschland, gilt als enger Vertrauter des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Ahmadinedschad, ein bekennender Holocaustleugner und Antidemokrat, ließ im Juni 2009 demokratisch-gesinnte Oppositionelle, welche gegen die Wahlfälschung der vorangegangenen Präsidentschaftswahlen protestierten, brutal niederprügeln, wegsperren, foltern und hinrichten. Zudem sorgt Ahmadinedschad immer wieder für Aufsehen, in dem er aus seinen antisemitischen Vernichtungsfantasien keinen Hehl macht und allen jüdischen Menschen droht.

Es ist mehr als bedenklich, dass Sie das Gespräch mit solchen Leuten suchen. Betrachtet man die derzeitige Lage im Iran, wäre die einzig richtige Alternative, die demokratisch-gesinnte Oppositionsbewegung zu stärken und möglicherweise mit deren VertreterInnen oder hier lebenden ExiliranerInnen zu sprechen, um den Ansichten und Hoffnungen dieser vom iranischen Unrechtsregime betroffenen Menschen eine Bühne zu geben. Stattdessen ziehen Sie es jedoch vor, mit den Repräsentanten der Autokratie zu reden und ermöglichen es diesen so, ihre Meinung zu verbreiten.

Das derzeitige iranische Regime stellt eine massive Bedrohung für den Weltfrieden dar, indem es islamistische Terrororganisationen finanziert und Diktatoren wie Baschar al-Assad in Syrien unterstützt. Weiterhin werden im Iran aktuell homosexuelle Menschen verfolgt, die Rechte von Frauen missachtet und Andersdenkende zum Tode verurteilt. Im Jahr 2012 wurden dort nach offiziellen Angaben 580 Menschen hingerichtet, die wirklichen Zahlen dürften noch deutlich höher sein. Statt sich gegen all dieses Unrecht und Leid auszusprechen, hofieren Sie jene, die genau dafür stehen.

Bitte folgen Sie dem Beispiel von anderen Institutionen, welche die Courage hatten, Ali Reza Sheikh Attar nach ähnlichen Protesten wieder auszuladen. Die Weltgeschichte hat uns schon oft vor Augen geführt, dass es wenig Sinn macht, mit den Vertretern von verbrecherischen Regimen zu diskutieren.

Hochachtungsvoll,

Jusos Niedersachsen