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13. Februar 2010 – Dresden blieb Nazifrei!

20100214_Juso-Fahne vor Frauenkirche

Juso-Fahne vor der Dresdner Frauenkirche.

14. Februar 2010 0 Kommentare

Großer Erfolg für das Bündnis „Dresden Nazifrei“: Trotz eisiger Kälte, Hausdurchsuchungen und Kriminalisierung der Initiatoren im Vorfeld und Einschüchterungsversuche durch Neonazis haben tausende Gegendemonstranten den Aufmarsch von Neonazis durch die Dresdener Neustadt am Samstag verhindert. Mit dabei ein Bus mit 40 Jusos aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Ein Erlebnisbericht.

Fotostream zum 13. Februar

Ab 22 Uhr am Freitag war das Basislager in der Parteizentrale in Hannover für die aus dem ganzen Land anreisenden Jusos geöffnet, Abfahrt des Busses war dann schließlich um 3.30 Uhr. Erster Zwischenstopp: Magdeburg, wo wir weitere Genossinnen und Genossen aus Sachsen-Anhalt eingesammelt haben. Von dort aus ging es weiter Richtung Dresden. Aus dem Bus wurde versucht über Twitter und Kontakt mit anderen Jusos, die sich bereits vor Ort befanden, die Lage in der Dresdener Neustadt, einem alternativen Viertel, durch das die Nazis ihren Marsch geplant hatten, herauszubekommen. Schließlich war klar, dass es wohl keine Möglichkeit geben würden, mit dem Bus dorthin zu gelangen. Ziel sollte die Kundgebung am Albertsplatz sei, auf der unter anderem die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel sprechen sollte. Der Kundgebungsplatz, der sich in der Nähe des Nazi-Sammelortes am Bahnhof Neustadt befand, war zu diesem Zeitpunkt bereits weiträumig abgeriegelt.

Kurz vor der Marienbrücke stand uns die erste Polizeikontrolle bevor, wo uns unsere Sitzkissen abhanden kamen – schließlich stellen diese ein offensichtliches Gefahrengut dar. An der Brücke selbst hatten sich bereits mehrere Kleingruppen von Antifa, Linkspartei und Gewerkschaften gesammelt, die von der Polizei an der Überquerung gehindert wurden. Nach Angaben der Polizei wäre keine Kundgebung in der Neustadt genehmigt, außerdem sei ein Versammlungsverbot ausgesprochen worden, sodass auch wir schließlich aufgefordert wurden, unsere Versammlung aufzulösen. Nach Angaben unserer GenossInnen, die sich bereits in der Neustadt befanden, waren dort mehrere tausend Leute und die Kundgebung war bereits im Gange. Die Menge an der Marienbrücke wurde größer und wir entschlossen uns zu einer spontanen Demonstration durch die Altstadt – zu diesem Zeitpunkt waren es bereits mehr als 1.000 Personen!

Telefonisch hatten wir mit Unterstützung des Landesbüros mittlerweile versucht, Kontakt zum Generalsekretär der sächsischen SPD zu bekommen, in der Hoffnung, irgendwie noch über die Elbe zu gelangen (die leider nicht zugefroren war – die Idee hatten wir auch schon). Wir bekamen den Hinweis, dass es, wenn überhaupt, an der Carolabrücke klappen sollte. Aber auch dort das gleiche Bild: Die Brücke war von der Polizei komplett abgeriegelt. Einzelne Leute schafften es, mit einem Trick die Kontrollen in den Straßenbahnen zu umgehen und so in die Neustadt zu gelangen. Der Rest harrte in der Innenstadt aus und schloss sich schließlich der Menschenkette um die Altstadt an. Dort versammelten sich ca. 10.000 Menschen, wie wir später aus den Nachrichten erfuhren.

Zu diesem Zeitpunkt verbreitete sich die Nachricht, dass Neonazis ein alternatives Jugendzentrum in der Neustadt überfallen hätten und es dort Verletzte gab. Eine Bestätigung dafür konnten wir bis in den Abend nicht bekommen. Über Twitter und das Infotelefon des Bündnisses waren zwar viele, aber zum Teil nur sehr widersprüchliche Infos zu bekommen. So kam es, dass man auf der Altstädter Elbseite immer wieder kleineren und größeren Gruppen von Demonstrierenden begegnete, die alle recht unkoordiniert versuchten, über die einzelnen Brücken zu gelangen.

Aus den Berichten unserer GenossInnen, die es schließlich in die Neustadt geschafft hatten, erfuhren wir Schockierendes über gewalttätiges Vorgehen der Polizei gegen Demonstrierende, den willkürlichen Einsatz von Pfefferspray, aber auch sehr Erfreuliches: Mehrere tausend Gegendemonstranten hatten es geschafft, alle umliegenden Straßen um den Nazi-Sammelplatz zu blockieren, sodass der Aufmarsch schließlich von der Polizei abgesagt wurde. So gut wie die Nachricht für Dresden war: In der Folge kam es zu Ausschreitungen und Zerstörungen in den Innenstädten von Pirna und Gera, unter anderem wurden Scheiben in einem SPD-BürgerInnenbüro eingeworfen.

Sicher gibt es linke Autonome, deren Absicht es ist, zu provozieren und die offene Konfrontation mit den Nazis suchen. Ob es die richtige Antwort darauf ist, willkürlich Pfefferspray in die Menge zu sprayen, bleibt dahingestellt.

Auf dem Rückweg zum Bus, der Dresden gegen 18 Uhr wieder verlassen sollte, kam es noch zu einem kleineren Zwischenfall. Eine Gruppe von etwa vier Faschisten hat uns beobachtet und während einer von Ihnen versuchte, uns eine Fahne zu klauen, haben die anderen telefoniert und vermutlich versucht, weitere Nazis zu mobilisieren. Es kam zu einer kleinen Rangelei und der Nazi konnte mit der Fahne abhauen.

Das es gelungen ist, den Naziaufmarsch in Dresden zu verhindern, werten wir politisch als großen Erfolg. Die Einschüchterungsversuche im Vorfeld haben die tausenden AntifaschistInnen nicht daran gehindert, nach Dresden zu kommen. Wir werden uns auch im nächsten Jahr wieder an den Gegenaktionen beteiligen! Kein Fußbreit den Faschisten – weder in Dresden, noch anderswo!

Der Text stammt aus der Feder von Sören Klose, Juso-Landesvorsitzender in Niedersachsen. Die Fotos hat Hendrikje Wiards aus Magdeburg gemacht. Danke dafür!



 


    Bürgergesellschaft     Parteileben

 

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